Mein schon seit langem feststehender Besuch bei einem Bekannten in Nürnberg, brachte mich auf die Idee den ebenfalls dort wohnhaften Wellensittichzüchter, Fritz Büttner, Züchter des Bundessiegervogels 1999 zu besuchen. Bedingt durch meine Übersetzungstätigkeit für das Wellensittich Magazin kam mir der Gedanke, dass es ja möglich wäre meinen Besuch mit einem Interview zu verbinden.
Ich kam gegen 13 Uhr bei Fritz Büttner an. Nach kurzer Unterhaltung in seiner Wohnung, folgte die Besichtigung seiner Zuchtanlage. Der Großteil von Fritz Büttners Zuchtanlage befindet sich unweit seiner Wohnung in einem alten Bauernhaus. Die Anlage mißt circa 70 Quadratmeter und besteht aus einem geräumigen Innenflug mit Fenster an dem ein Vorbau angebracht ist, sozusagen eine kleine Außenvoliere. Des weiteren befinden sich in der Zuchtanlage 50 Zuchtboxen mit einer Größe von 80 x 45 x 45 Zentimetern pro Box. Die Zuchtboxen sind selbst gebaut und haben Schubladen aus Zinkblech um eine bessere Reinigung zu ermöglichen. Die Nistkästen, welche außen eingehängt werden haben die Maße 20 x 20 x 20 Zentimeter, sie sind auch in Eigenproduktion angefertigt und verfügen über herausnehmbare Einschübe, deren Außenkanten 18 x 18 Zentimeter messen. Das Einstiegsloch ist ziemlich weit oben am Nistkasten angebracht um ein zu frühes Ausfliegen der Vögel zu verhindern, da die Vögel so erst ausfliegen können wenn sie aus eigener Kraft das Einstiegsloch erreichen.
Was mir unter anderem auch auffiel war der erstklassige Hygienezustand und die sehr gute Kondition der Vögel trotz größtenteils bereits längerem Zuchteinsatz. Zum Zeitpunkt meines Besuchs (08.03.2000) hatte Herr Büttner 256 Jungvögel beringt. Die Jungvögel waren in breiter Masse sehr ansprechend und zeigten teilweise schon erste Schauqualitäten (wie man an den Fotos sehen kann).
Eine andere Sache die mir auffiel ist, dass Herr ?üttner seine Vögel nicht nur phänotypisch miteinander verpaart sondern auch kleinere gute Typhennen mit erstklassiger Abstammung in die Zucht nimmt. Dies kann meiner Meinung nach in der heutigen Zeit in der Unfruchtbarkeit und leere Gelege an der Tagesordnung sind nicht hoch genug bewertet werden. Außerdem ziehen kleinere Hennen meist mehr Junge nach was einem die Möglichkeit gibt eine bessere Auslese zu betreiben.
Eine weitere Besonderheit in Herrn Büttners Zucht sind die umfunktionierten Kugeltränken welche er mit gutem Erfolg als Futterspender einsetzt und sich so das tägliche zeitraubende und lästige ausblasen der Näpfe spart. Ein Vorteil der Kugeltränke gegenüber „normalen“ Futterspendern ist, dass durch den übertriebenen Spieltrieb der Vögel nicht zuviel Futter verloren geht, da die Form der Kugeltränke ein Spielen nicht ermöglicht.
Bevor ich mit dem eigentlichen Interview, welches in Herrn Büttners Wohnung bei Kaffee und Kuchen stattfand; beginne gebe ich noch einen kleinen Einblick in Fritz Büttners Werdegang als Wellensittichzüchter:
Herr Büttner kam über die Taubenzucht auf die Wellensittichzucht, das war vor circa 35 Jahren. Er stellte zuerst im DKB aus wo er im Jahre 68 seinen ersten größeren und für die erst kurze Zeit in der er sich mit Wellensittichen befaßte beachtlichen Erfolg nämlich die Bayerische Meisterschaft feiern konnte. Seit dem Jahre 1976 beschickt Fritz Büttner die Bundesschau und hat mit wenigen Ausnahmen , welche teilweise durch Zuchtrichtertätigkeit bedingt waren bis heute jährlich teilgenommen. Ihm gelang es in den Jahren 82, 85, 94, 95 und 99 den Bundessiegervogel zu stellen. Nach einem graugrünen Hahn 1982 einem Zimt dunkelgrünen Hahn 1985 und einer hellgrünen Henne, welche 1994 und 1995 gewann gelang es ihm im vergangenen Jahr seine Erfolgsbilsanz, mit einem überragenden Lutino auf 5 Bundessiege zu erhöhen.
Herr Büttner, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu ihrem Bundessieg und der besten Gesamtleistung auf der Bundesschau 1999 in Kassel. Sie haben wenn ich richtig liege es als Erster geschafft einen Ino, der sich gegen die übrigen Normalen „stärkeren“ Farbschläge derart durchsetzt, dass er sogar Bundessieger wird zu züchten. Welchen Tip können Sie einem Züchter der sich ebenfalls der Inozucht widmen möchte geben?
Fritz Büttner: Grundsätzlich denke ich, dass eine Verbesserung von Lutinos hauptsächlich mit guten Normalvögeln möglich ist. Ein Züchter sollte erst über gute Normalvögel, auch in entsprechender Anzahl verfügen, bevor er sich der Zucht von Lutinos widmet. Zusätzlich sollte er sich darüber im Klaren sein, dass er am Anfang der Lutinozucht mehr Ausschußvögel „produziert“, als dies in der Normalreihe der Fall ist. Man sollte grundsätzlich nur mit den besten Spaltern, egal ob phänotypisch oder genotypisch weiterzüchten um eine Verbesserung der Qualität zu erreichen. Des weiteren darf man am Anfang der Lutinozucht, auch wenn es manchmal vielversprechend erscheint nicht den Fehler machen und Spalter in die Normalreihe zurückkreuzen. Was die Farbe des Lutinos angeht, so kann man sagen, dass der farblich beste Lutino, der mit zwei Dunkelfaktoren ist. Allerdings muß man hierzu auch sagen, dass wie beim olivgrünen Normalvogel, gewisse Abstriche in der Gestalt gemacht werden müssen. So beschränke ich es meistens auf einen Dunkelfaktor, wie auch beim Bundessieger, dessen Vater ein dunkelgrüner Normalvogel war. Man muß auch nicht unbedingt jedes Jahr einen Lutino mit einem Spalter verpaaren um eine Verbesserung zu erreichen, sondern kann durchaus auch ein bis zwei Jahre reine Lutinoverpaarungen durchführen. Trotzdem ist es ohne Zweifel sehr wichtig in regelmäßigen Abständen spalterbige Normalvögel einzukreuzen.
Sollte man grunsätzlich nie Vögel aus Lutino Verpaarungen in der Normalzucht verwenden?
Dies hängt individuell davon ab, wie durchgezüchtet ein Stamm ist. Am Anfang würde ich davon abraten und mir erst einmal einen Überblick über das Leistungsvermögen meiner Vögel und über die besonderen Eigenschaften bestimmter Linien verschaffen. Ich habe meine Meinung im Vergleich zu früher ein bißchen geändert, da die Spalter den Normalen im Sinne der Qualität immer näher kommen. So habe ich zum Beispiel vor zwei Jahren einem befreundeten Züchter einen dunkelgrünen Spalter gegeben welcher daraus hervorragende Jungvögel zog.
Gibt es in den letzten Jahren irgendeine Verpaarung von der Sie sagen können sie hätte ihre Zucht bereichert?
Hierbei fällt mir vorallem das Paar ein aus dem die Bundessiegerhenne 94/95 fiel. Aus dieser Verpaarung bekam ich insgesamt 11 Jungvögel die mit wenigen Ausnahmen sehr gut nachzogen. So kann ich heute sagen, dass nahezu die Hälfte meiner Zucht über ein paar Ecken mit der Bundessiegerhenne 94/95 verwandt ist. Eine weitere Verpaarung die meine Zucht stark bereichert hat ist die, aus der mein Bundessieger 99 Lutino fiel. Die Eltern des Bundessiegers zogen auch heuer noch, obwohl es 96er Vögel sind, 11 Jungvögel nach, welche allesamt von sehr guter Qualität sind.
Bei welcher Verwandtschaftsverpaarung gibt es Ihrer Meinung nach im Durchschnitt betrachtet die größte Qualitätsverbesserung?
Ich habe die besten Erfahrungen mit der Verpaarung von Cousin und Cousine und Verpaarungen vom Verwandtschaftsgrad wie Onkel mit Nichte oder dergleichen gemacht. Näher gehe ich nicht zusammen da sonst mittelfristig die Fruchtbarkeit nachlassen würde. Ich praktiziere diese Verwandtschaftsverpaarungen allerdings nicht zu häufig, da sonst der Effekt einer solchen Verpaarung nicht mehr der gleiche wäre.
Haben Sie heuer schon Nachzucht vom Bundessieger?
Nein. Ich hatte ihn zuerst an eine Lutinohenne verpaart, was aber nicht so ganz funktioniert hat. Vor zwei Wochen habe ich ihn dann wieder an seine letztjährige Partnerin, eine mittel große Gelbe Henne, welche bereits zu legen beginnt, verpaart. Aus dieser Verpaarung habe ich im letzten Jahr eine sehr schöne Lutino Henne gezogen, von der ich mir den ein oder anderen Schauerfolg verspreche.
Ihr Hauptaugenmerk liegt offensichtlich auf der Zucht von Normalvögeln inklusive Zimtern und Opalinen sowie auf der Lutinozucht. Gibt es weitere Farbschläge bei denen Sie verstärkte Ambitionen haben?
Ich züchte seit einigen Jahren den Texas Clearbody, bei dem ich von Jahr zu Jahr Verbesserungen erreiche. Bei den Texas Clearbodies sind die Spalter meiner Meinung nach mittlerweile fast auf Normalvogelniveau. Zusätzlich habe ich mir zu Beginn dieser Zuchtsaison zum Ziel gesetzt die Australischen Schecken, welche ich in den achziger Jahren bereits mit guten Erfolgen züchtete, zu forcieren.
Nun zum Futter. Was füttern Sie Ihren Vögeln?
Ich verfüttere ganzjährig eine von mir zusammengestellte Saatenmischung, welche von der Firma „Versele Laga“ vertrieben wird und im Raum Nürnberg als „Fritz Büttner Mischung“ erhältlich ist. Diese Mischung besteht zu 50% aus Kanariensaat, 25% Silberhirse, 15% Japanhirse, 3% Senegalhirse, 3% Platahirse, 2% Negersaat und 2% Hanf. Die Mischung wird das ganze Jahr über gerreicht. Mein Weichfutter besteht aus Nackthafer, Dinkel, einem geringen Teil Gerste und Mungobohnen. Diese Körnermischung weiche ich 24 Stunden ein um den Keimprozess und die damit verbundene Vitaminerzeugung einzuleiten. Den eingeweichten Körnern mische ich Witte Molen Eifutter, Bachflohkrebse, Vogelflocke, hartgekochte Eier, Karotten und Petersilie bei. Hier erklärt sich auch die Fütterung von Hanf und Negersaat über das Körnerfutter, da ich über den hohen Fettgehalt dieser Saaten einen besseren Aufschluß der fettlößlichen Vitamine (A, D, E, K), von denen vorallem das Vtamin A verstärkt in den Karotten vorkommt, ermögliche. Gritsteine (Fa. Merckl) bekommen meine Vögel das ganze Jahr über gerreicht.
Wie lange haben Sie Ihre Vögel schon in der jetzigen Zuchtanlage und wo werden Sie weiterzüchten wenn Sie in Rente gehen?
Die Vögel sind bereits seit dem Jahr 1972 in der heutigen Zuchtanlage. Natürlich werden von Zeit zu Zeit, je nach dem welche Verbesserungen einem gerade einfallen, Umbauarbeiten durchgeführt. Wenn ich in zwei Jahren in Rente gehe, ziehe ich in meinen „Altersruhesitz“ um, den ich mir vor zwei Jahren außerhalb von Nürnberg gebaut habe. Dort habe ich dann auch eine neue Zuchtanlage in einem freistehenden Gebäude neben dem Wohnhaus. Die neue Zuchtanlage ist ein gemauertes Gebäude, welches innen 12 x 6 Meter mißt. Außen sind auf einer überdachten Grundfläche von 3 x 12 Metern 3 einzelne Volieren geplant. Die Belüftung erfolgt durch ein Zirkulationssystem und geheizt wird mit Gas über eine Bodenheizung. Weiterhin sind in einem Nebenzimmer eine Futterküche und eine Toilette eingerichtet. Ich plane die Zucht dort mit circa 60 Zuchtboxen welche die Maße 50 x 50x 80 Zentimeter haben werden.
Dieses Interview gibt nur einen geringen Teil einer sehr langen und amüsanten Unterhaltung, bei der mir Herr Büttner auch viele nette Anekdoten aus der Wellensittichzucht erzählte, wieder. Letztendlich bin ich der Meinung das unser aller Hobby, nämlich „Die Wellensittichzucht“ mit Menschen wie Fritz Büttner, die ihr gesamtes Herzblut dieser einen Sache verschrieben haben, steht und fällt. Obwohl es sich bei Herrn Büttner um keinen Farbspezialisten im herkömmlichen Sinne handelt, hat er es mit viel Sachverstand, Liebe zum Hobby und Ehrgeiz geschafft den Lutino auf sehr hohem Niveau zu züchten. Nicht nur aufgrund dieser Tatsache, sondern auch aufgrund seiner hervorragenden Normalvögel in nahezu allen Farbschlägen, und meiner Meinung nach in Zukunft auch aufgrund seiner Australischen Schecken bleibt Fritz Büttner auch in den kommenden Jahren da wo er heute schon ist – ganz oben in der Standardwellensittichzucht.
Mein letzter Satz gebührt Frau Büttner bei der ich mich recht herzlich für die hervorragende Bewirtung bedanken möchte.