2005er Jungvögel aus der Zucht von Fritz Büttner

von Florian Böck

Seit längerem führte mich mein Weg Ende 2005 mal wieder zu meinem langjährigen Zuchtfreund Fritz Büttner. Das nahm ich zum Anlass dort auch gleich einen kleinen Bericht über seine Meinung zur abgelaufenen Zuchtsaison und zum Beginn des Zuchtjahres 2005 anzufertigen, sowie einige seiner aktuellen Jungvögel zu fotografieren.

Florian Böck: Wie bist Du mit der abgelaufenen Zucht- bzw. Schausaison 2004 zufrieden?

Fritz Büttner: Unter dem Strich betrachtet muss ich sagen, dass die Zucht- und Schausaison 2004 für mich sehr erfolgreich verlief. Im Zuchtjahr 2004 brachte ich 260 Jungvögel auf die Stange, deren Qualität mich sehr überzeugte. Diese Qualität belegen auch die Erfolge auf der diesjährigen AZ-Bundesschau, bei welcher ich mit 14 auggestellten Käfigen sieben mal Gold, davon fünf Gruppensieger und davon wiederum drei Bundesgruppensieger verzeichnen konnte. Vor allen Dingen habe ich mich darüber gefreut, dass ich wieder einmal in der Breite meiner Vögel überzeugen konnte, was sich auch in der zweitbesten Gesamtleistung widerspiegelt. Leider musste ich aufgrund der Auswirkungen eines Unfalls kurzfristig die Teilnahme an der Europaschau 2004 absagen. Zu diesem Zeitpunkt wären einige meiner Favoriten in Top-Kondition gewesen, welche in Kassel nicht mit von der Partie waren.

Florian Böck: Worauf führst Du den gravierenden Rückgang in der Beschickungszahl auf der diesjährigen AZ-Bundesschau zurück?

Fritz Büttner: Ich denke dies hat mehrere Gründe: Zum einen die finanzielle Situation der Gesellschaft einhergehend mit einer Steigerung des Standgeldes. Wenn ein Züchter heute 20 Vögel auf der Bundesschau ausstellen möchte so kommt er inklusive Anfahrt, möglicherweise Übernachtung und Verpflegung auf 250 oder 300 Euro Kosten für das Schauwochenende. Dieser nicht unerhebliche Betrag sitzt vor allem in Zeiten in welchen sich die Gewichtung hinsichtlich des Freizeitverhaltens zu Ungunsten der Vogelzucht verschiebt nicht mehr so locker wie noch in vergangenen Jahren.

Florian Böck: Welche möglichen Verbesserungen fallen Dir spontan zum aktuellen Schauwesen ein?

Fritz Büttner: Eine Sache die auf jeden Fall wieder in den AZ-Nachrichten veröffentlicht gehört, ist der Medaillenspiegel. Nur dadurch können aktive Schauwellensittichzüchter einen schnellen Überblick über das tatsächliche Leistungspotential der verschiedenen Zuchten bekommen. Des Weiteren bin ich der Meinung, dass man sich etwas einfallen lassen sollte um den Wasserkopf Championstufe ein wenig auszudünnen. In einem Hobby welches schließlich nach wie vor eine Leistungszucht darstellt, sollte auch wirklich nur die Leistung eines Champions zum führen selbigen Titels berechtigen. Auch der so genannte Ehrenchampion ist eine Institution die in die gleiche Stoßrichtung geht. Dieser Titel wird Züchtern zugesprochen, welche 15 Teilnahmen ohne Abstieg an der Bundesschau in der Championstufe nachweisen können. Das bewirkt, dass Züchter, welche möglicherweise noch nie einen Klassensieger, geschweige denn einen Gruppensieger oder Bundesgruppensieger erzielt haben dadurch auf Lebzeiten als Champions geführt werden. Schließlich qualifiziert sich auch kein Bundesligaverein für einen Abonnementplatz in der Champions-League, wenn er 15 Jahre nicht absteigt. Hier ist der Wettkampf und Leistungsgedanken vollkommen abhanden gekommen und die Wertigkeit des Ehrenchampion wird dadurch sehr inflationär. Positiv zu bemerken ist die Straffung der Auf- bzw. Abstiegsregelung vom letzten Jahr, wobei hier durchaus noch weitere Schritte vorgenommen werden sollten, um ein Ausweichen in schwache Farbschläge bzw. ein Hochmelden zu verhindern. Mehr Transparenz und dadurch einen Beleg für die tatsächliche Leistungsfähigkeit einer Zucht würde man zudem erreichen, wenn die Gruppenplatzierungen der diversen Klassensieger ebenfalls im Schaukatalog veröffentlicht werden würden. Außerdem sollten Vögel welche als Klassensieger keine Medaille bekommen haben und in der Gruppe vor einem Medaillenträger derselben bzw. einer höheren Stufe platziert sind im Nachhinein eine Goldmedaille zugesprochen bekommen. Nebenbei würde man dadurch die Konkurrenz in den Züchterstufen sowie auch züchterstufenübergreifend beleben. Weiterhin sollten die Computernummern auf den Käfigen gestreut werden, was organisatorisch kein großen Problem darstellen müsste, um zu vermeiden, dass die Vögel eines Züchters immer mit fortlaufenden Käfignummern auf der Schau stehen und dadurch bei Bekanntheit von nur einem Vogel des jeweiligen Züchtern ohne weiteres zugeordnet werden können.

Florian Böck: Welchen Stellenwert gibst Du dem Internet in der Vogelzucht?

Fritz Büttner: Das Internet ist mit Sicherheit eine positive Sache, eröffnet es doch nie da gewesene Möglichkeiten der Kommunikation und Information von Züchtern im In- und Ausland. An dieser Stelle sollte man aber nicht vergessen, den persönlichen Kontakt im Hobby nach wie vor zu pflegen. Außerdem muss man die ältere Generation berücksichtigen, welche mit diesem neuen Medium noch nicht so firm ist und sollte daher die bisherigen Medien wie Fachzeitschriften und Verbandszeitungen nicht zu stark dezimieren.

Florian Böck: Die Zuchtsaison 2005 steht gerade erst am Beginn, kannst Du trotzdem schon etwas zur Qualität der bisher gezogenen Jungvögel sagen? Bist Du mit dem Beginn zufrieden?

Fritz Büttner: Die Zuchtsaison ist relativ gut angelaufen, wobei die Vögel welche an der Bundesschau teilgenommen haben erst jetzt in Zucht kommen. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Qualität wieder sehr gut ist und ich bei einem weiteren Verlauf dieser Art mit Zuversicht auf die nächste Schausaison blicken kann. Natürlich lehrt mich meine langjährige Erfahrung, dass ein Vogel erst auf der Stange sitzen muss und man daher eine Abschlussbemerkung erst nach Beendigung der Zuchtsaison machen sollte. Viele Züchter machen den Fehler vorschnell über nachgezogene Vögel teilweise zu euphorisch zu urteilen. Letztendlich ist ausschließlich die Bewertung der Vögel auf der Schau ausschlaggebend. Bescheidenheit und auch Geduld sind nicht nur in der Zucht im Allgemeinen, sondern auch bei der Betrachtung der Jungvögel angebracht.

Fazit: Der Besuch bei Fritz Büttner war wieder einmal die Reise wert und auch wenn der Züchter selbst der Meinung ist, dass man bei der Betrachtung der Jungvögel nicht zu euphorisch vorgehen sollte, so kann ich, als außen stehender Betrachter dies ohne weiteres tun. Wie die beigefügten Bilder zeigen so hat Fritz Büttner schon in der ersten Runde dieses Zuchtjahres einige Spitzenvögel gezogen, besonders aufgefallen sind mir ein 1,0 Albino, eine 0,1 Hellblau und ein 1,0 Grau, welche auch ohne Euphorie in die höchste Kategorie von Schauvögeln einzuordnen sind.